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Auf den Spuren des norwegischen Black Metal – Eine Reise zu den legendären Orten

  • Autorenbild: L7
    L7
  • 28. März
  • 5 Min. Lesezeit

Norwegen ist nicht nur für seine Natur und Geschichte bekannt, sondern auch als das Geburtsland des Black Metal. In den frühen 90ern entwickelte sich hier eine Musikbewegung, die düsterer, extremer und provokanter war als alles zuvor. Zusammen mit BR1 machte ich mich auf eine Reise, um einige der legendärsten Orte dieser Szene zu besuchen – und natürlich auch einige der wichtigsten Vinyls mitzubringen.

Nidarosdom in Trondheim
Nidarosdom in Trondheim

Helvete – Der Ursprung des norwegischen Black Metal


Unsere erste Station in Oslo führte uns zu einem der wohl legendärsten Orte des Black Metal: dem ehemaligen Helvete Plattenladen.


Schon von außen wirkt der Ort unscheinbar. Ein schmaler Eingang, versteckt um die Ecke in einer ruhigen Straße, kaum vorstellbar, dass hier Anfang der 90er die radikalste Metal Szene der Welt zusammenkam. Doch genau hier lag der Plattenladen, den Øystein "Euronymous" Aarseth gründete und in dem sich Bands wie Mayhem, Burzum, Darkthrone und Emperor trafen.


Ich machte ein Foto vor der Tür, dem einstigen Eingang zum ursprünglichen Helvete. Heute gibt es keine großen Schilder, die auf die Vergangenheit hinweisen, aber für diejenigen, die die Geschichte kennen, ist der Ort von unschätzbarem Wert.

Helvete - Oslo
Helvete - Oslo

Neseblod Records – Das Erbe lebt weiter


Drinnen ist Neseblod Records ein Paradies für extreme Musik. Die Wände sind bedeckt mit Postern, Platten und alten Fanzines. Überall stapeln sich Black Metal Vinyls, Tapes, CDs und Shirts, von Klassikern bis zu den obskursten Underground Releases.



Eines der absoluten Highlights: Originale Erstpressungen von Mayhems "Deathcrush", das legendäre Mini Album, das die Geburt der norwegischen Szene markierte. Der Druck des Covers sieht fast rosa aus, eine Farbabweichung, die bei den ersten Exemplaren vorkam und die sie noch seltener macht.

Mayhem - Deathcrush


Neben den Platten entdeckten wir eine echte Rarität: eine signierte Hardcover Ausgabe von "DØDSARKIV: Mayhem 1984-1994" von Jørn Stubberud (Necrobutcher) auf Norwegisch. Dieses Buch ist eine wahre Schatzkammer für jeden Mayhem Fan, voller unveröffentlichter Bilder, Flyer, Briefe und Erinnerungen aus der Zeit, als die Band noch in ihrer chaotischen Anfangsphase steckte.



Der Helvete Keller – Wo alles begann


Schließlich gingen wir nach unten – dorthin, wo die dunkelste Geschichte des Black Metal begann. Der Keller ist immer noch da, und an der Wand prangt das berühmte "Black Metal" Graffiti, das einst Euronymous selbst schrieb. Hier trafen sich die Musiker, hier wurden die ersten Ideen geschmiedet, hier nahm eine radikale Bewegung ihren Anfang.

Helvete in Oslo

Die Atmosphäre ist schwer zu beschreiben. Man kann sich leicht vorstellen, wie dieser dunkle, enge Raum vor 30 Jahren der Geburtsort eines Musikgenres war, das bis heute für Kontroversen sorgt.



Ski – Das Grab von Euronymous


Von Oslo aus fuhren wir nach Ski, einer kleinen Stadt südlich der Hauptstadt. Hier liegt Øystein "Euronymous" Aarseth begraben, eine der umstrittensten und einflussreichsten Figuren des norwegischen Black Metal.


Sein Tod im August 1993 markierte einen Wendepunkt für die Szene. Der Mord an ihm durch Varg Vikernes (Burzum) ist eine der bekanntesten und dunkelsten Geschichten in der Metal Historie. Doch abseits der Kontroversen war Euronymous auch ein Musiker, der mit Mayhem den Sound des Black Metal definierte.

Øystein "Euronymous" Aarseth Grab

Der Friedhof selbst ist schlicht, und sein Grab unterscheidet sich kaum von den anderen. Keine auffälligen Tributs, keine Hinweise auf seine Vergangenheit – und doch ist es für Black Metal Fans weltweit ein Pilgerort.

Øystein "Euronymous" Aarseth Grab

Ein Besuch hier ist eine merkwürdige Erfahrung. Die Musik, die er erschaffen hat, lebt weiter, und sein Einfluss ist unbestreitbar. Ob als Pionier oder als tragische Figur, Euronymous bleibt eine der zentralen Gestalten der Szene.



Die Nidaros Kathedrale – Das düstere Herz von De Mysteriis Dom Sathanas


Weiter ging es nach Trondheim, und eines der Highlights unserer Reise war ohne Frage die Nidaros Kathedrale.


Dieses gewaltige, gotische Bauwerk ist das wichtigste kirchliche Symbol Norwegens, doch für Black Metal Fans hat es eine ganz andere Bedeutung. Es wurde von Mayhem als Cover für ihr Album "De Mysteriis Dom Sathanas" gewählt, und damit wurde die Kathedrale zu einem der ikonischsten Bilder der Szene.


Nidaros Kathedrale

Warum ausgerechnet Nidaros?


Euronymous wollte, dass das Cover des Albums eine düstere, mystische Aura hat. Die Architektur der Kathedrale mit ihren gotischen Türmen und dunklen Steinen passte perfekt zur kalten, okkulten Atmosphäre der Musik. Angeblich soll Attila Csihar, der Sänger des Albums, hierher gereist sein, um sich von der Stimmung des Ortes inspirieren zu lassen.

Nidaros Kathedrale

Vor Ort war das Feeling fast surreal. Die Kathedrale ist ein massives Bauwerk, das mit seinen Wasserspeiern, Statuen und dunklen Verzierungen fast wie aus einer anderen Welt wirkt – genau das, was Mayhem mit ihrem Meisterwerk vermitteln wollten.



Rockheim – Black Metal als norwegisches Kulturerbe


Doch Trondheim hat noch einen weiteren Ort zu bieten, der für Metal Fans von Interesse ist: das Rockheim, Norwegens nationales Museum für Rock und Pop. Hier gibt es eine eigene Black Metal Sektion, die sich mit der Geschichte, Ästhetik und dem Einfluss dieser extremen Musik beschäftigt.


Die Ausstellung zeigt Mayhem, Emperor und andere Schlüsselbands der Szene, beleuchtet die Entstehung des Genres und stellt es in einen größeren musikalischen und kulturellen Kontext. Besonders beeindruckend ist die Mayhem Area, in der Original Requisiten, Bühnenoutfits und seltenes Bildmaterial zu sehen sind.



Dass Black Metal mittlerweile Teil eines offiziellen Museums ist, zeigt, wie groß der kulturelle Einfluss dieser Musik geworden ist – eine Szene, die einst als Außenseiter Bewegung begann, aber längst zu einem der bekanntesten musikalischen Exporte Norwegens gehört.



Die norwegischen Stabkirchen – Die Burzum Verbindung


Auf dem Rückweg hielten wir an einer der berühmten norwegischen Stabkirchen. Diese mittelalterlichen Holzkirchen sind architektonische Meisterwerke und gleichzeitig eng mit der dunklen Geschichte des Black Metal verbunden.

Norwegischen Stabkirche

Die Brandstiftungen in den frühen 90ern machten sie zu einem Symbol für die extremen Ansichten der Szene. Varg Vikernes (Burzum) wurde für seine Beteiligung an diesen Taten verurteilt, und bis heute sind diese Kirchen ein Sinnbild für die damaligen Konflikte zwischen Christentum und heidnischer Symbolik.

Norwegischen Stabkirche


Die Schwerter von Stavanger – Nordische Mythologie und Metal


Zum Abschluss unserer Reise besuchten wir die Sverd i fjell in Stavanger. Diese drei riesigen Schwerter erinnern an die Schlacht von Hafrsfjord und symbolisieren die Einigung Norwegens.

Kein direkter Black Metal Bezug, doch viele Bands – darunter Burzum, Enslaved und Bathory – haben sich von der nordischen Geschichte inspirieren lassen.

Die Schwerter von Stavanger


Fazit – Eine Reise durch die Geschichte des Black Metal


Norwegen ist für Black Metal Fans mehr als nur ein Reiseziel. Es ist eine Pilgerreise durch eine dunkle, faszinierende Geschichte. Von den Kellern Oslos über die Nidaros Kathedrale und die mystischen Stabkirchen bis zu den alten Wikinger Symbolen, überall spürt man den Geist dieser extremen Musikbewegung.


Und wer zwischendurch ein paar Vinyl Schätze mitnehmen will, wird in Läden wie Neseblod Records sicher fündig.


Norwegen

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